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Eine Zuflucht in Andersonville: Der Buchhandlung Women & Children First (Frauen und Kinder zuerst)

Die Nordostecke der Kreuzung Clark Street/ Farragut Avenue in Andersonville trägt ein Schild: „Honorary Women & Children First Way“. Die Buchhandlung Women & Children First (5233 N. Clark Street) ist seit 38 Jahren eine dynamische Kraft in der literarischen Szene Chicagos. Die Liste berühmter Autorinnen, die hier Lesungen veranstalteten, enthält Gloria Steinem, Maya Angelou, Hillary Clinton, Alice Walker, Eve Ensler, Amy Tan, Sandra Cisneros, Allison Bechdel, Margaret Atwood, Gwendolyn Brooks und die Chicagoer Autorin Sara Paretsky.

 

IIm August 2014 übernahmen Lynn Mooney und Sarah Hollenbeck die legendäre unabhängige Buchhandlung und Zuflucht der LGBTQ-Community von den langjährigen Besitzern Ann Christophersen und Linda Bubon. In einem Interview erzählt Lynn Mooney über das Vermächtnis des

Buchladens, die Bedeutung der Unterstützung unabhängiger Unternehmen und die Vorzüge von Andersonville.

 Women and Children First Bookstore - Lynn Mooney

Euer Geschäft existiert seit Jahrzehnten. Kannst Du mir einen kurzen Abriss der Geschichte von Women & Children First geben?

Ann Christophersen und Linda Bubon eröffneten W&CF im Jahr 1979. Sie lernten sich auf der Graduate School kennen und waren eine Zeit lang ein Paar. Während ihres Studiums der Literatur stellten sie immer wieder fest, dass die Werke der Schriftstellerinnen, die sie studieren wollten, fast unauffindbar waren. Autorinnen wie Virginia Woolf, die heute zum Kanon gehören, wurden als düster und verworren angesehen und die meisten Buchhandlungen und Bibliotheken führten sie einfach nicht. Damals, als es noch kein Internet gab, wärest Du Werken, die der örtliche Buchladen oder die Bibliothek nicht hatte, kaum jemals begegnet. Also beschlossen Ann und Linda eine feministische Buchhandlung zu eröffnen und machten es zu ihrer Lebensaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Stimmen der Frauen gehört werden. Außerdem wollten sie einen sicheren Ort schaffen, an dem man Beziehungen knüpfen und echte Unterstützung finden kann. 

Ann und Linda waren Teil eines größeren Phänomens – während der zweiten Welle des Feminismus wurden im ganzen Land Hunderte von feministischen Zeitschriften und Buchhandlungen gegründet. Chicago hatte tatsächlich zwei feministische Buchläden an einem Platz. Da ist es nicht überraschend, dass vom Anfang an unser inoffizieller Slogan lautete: „Wir sind so politisch wie wir literarisch sind.“

 

Was wolltet Ihr bei der Übernahme des Geschäftes vom bestehenden Betrieb behalten und welche Dinge wolltet Ihr ändern oder ausweiten?

Women and Children First Bookstore

Wir sind stolz auf das feministische Vermächtnis des WC&F und auf die jahrzehntelange Unterstützung der LGBTQ Community. Ann und Linda waren so klug, sie arbeiteten so hart und machten so vieles richtig. Aber nach 35 Jahren waren ein paar Neuerungen notwendig. Eine der ersten war die Renovierung und neue Gestaltung der Geschäftsräume, die Erneuerung der Farben und des Inventars. Aber das war nicht nur Kosmetik – eines der Hauptziele war, noch mehr vom Laden in einen Gemeinschaftsraum umzuwandeln. Dafür ließen wir von einem örtlichen Tischler eigens Tische für unsere speziellen Zwecke entwerfen. 

Wir wollten auch unsere Sichtweise des Feminismus überdenken. Der Feminismus ist heutzutage intersektional. Wir bemühen uns mehr denn je, die Fragen von Geschlecht, sexueller Orientierung, Rasse, Kultur und Fähigkeiten einzubeziehen.

Wir verstärken auch unsere Veranstaltungs-Angebote. Zusätzlich zur Geschichtenstunde für Kinder am Mittwochvormittag und zwei bis drei Autorinnen-Lesungen pro Woche, die seit Langem unsere Stützen sind, veranstalten wir nun auch Community-Programme, Events für Kinder, acht Buchgruppen und zwei Salons. Einer davon ist Sapphos Salon, eine monatliche Performance, die der Darstellung von Queerness, Geschlecht und Feminismus gewidmet ist, mit Elementen wie Musik, Tanz bis zu Burlesque und Comedy. Einer unserer beliebtesten Community Events ist unsere neue Aktivismus Reihe, die jeden Monat eine in Chicago tätige Organisation vorstellt, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Dafür kommen Repräsentantinnen von Organisationen wie Chicago Women's Health Center und Assata's Daughters zu uns in die Buchhandlung, stellen ihre Geschichte und Mission vor und wie ihre Zielgruppe sich dabei engagieren kann. Diese Veranstaltungsreihe hat uns zusammen mit anderen Programmen wie unser neuer Feminist Craft Circle Publicity in der New York Times eingebracht, als eine „Achse des Widerstands“

 

Warum ist es wichtiger denn je, unabhängige Buchhandlungen zu unterstützen? 

Es ist so wichtig für uns alle, auf dem Laufenden zu bleiben, nach glaubwürdigen Informationsquellen zu suchen und möglichst viele Stimmen und Standpunkte zu hören. Unabhängige Buchhandlungen sind viel eher dazu geneigt, Bücher zu führen, die eine Vielzahl von Meinungen, Ideen und Erfahrungen repräsentieren. Es ist auch viel wahrscheinlicher, dass sie Bücher zu Themen anbieten, bevor sie Mainstream werden und gerade nach diesen Stimmen suchen. Sie leisten auch zusätzliche Arbeit beim Aufbau von kleinen Start-ups, seien es gemeinnützige, einer Mission dienende oder akademische Verlage, die oft die einzige Quelle für diese Art von Büchern sind. Wir strengen uns auch sehr an, Autoren in allen Phasen ihrer Karriere zu vertreten. Oft hat ein Debut-Roman, der von einem der Big Five Verlage veröffentlicht wurde, einen Vorgänger - oft eine Sammlung von Kurzgeschichten, die in einem Universitätsverlag erschien. Führt B & N diese frühen, akademischen Sammlungen? Normalerweise nicht, aber wir machen das. So machen wir Entdeckungen möglich. Kaufe in einem unabhängigen Buchladen und Du wirst Dinge finden, die Du nirgendwo anders finden würdest.

 

Eure Buchhandlung liegt in einem der lebhaftesten Viertel der LGBTQ-Gemeinde. Was macht Andersonville zu so einer wunderbaren Nachbarschaft?

Wir sind einer der Orte, an dem das „Localism Movement“ in den Vereinigten Staaten entstand. Noch heute können Studenten die Datensätze von Andersonville untersuchen, aus denen hervorgeht, wie jeder in einem örtlichen Unternehmen ausgegebene Dollar in der Gemeinschaft vor Ort zirkuliert und sie bereichert, viel mehr als Geld, das in der Filiale einer Ladenkette bezahlt wurde. Mit anderen Worten: Unsere Daten belegen, dass „Localism“ viel mehr ist als nur ein „gutes Gefühl“, sondern ein ökonomisch vernünftiger Weg, die Art von pulsierender, lebenswerter Gemeinschaft zu schaffen, in der wir leben wollen. Trotz steigender Steuern und Mieten gehören die meisten Geschäfte in Andersonville lokalen Besitzern. Darunter sind einzigartige Läden, zum Beispiel Antiquitäten- und Dekorationsgeschäfte wie Scout (5221 N. Clark Street) und Brimfield (5219 N. Clark Street), Cafés wie Kopi (5317 N. Clark Street) und True North (5507 N. Clark Street) sowie eine breite Palette an Restaurants, einschließlich „Fine dining“ Lokale wie Vincent (1475 W. Balmoral Avenue), Anteprima (5316 N. Clark Street), und Hopleaf (5148 N. Clark Street).

Meine aktuelle Favoriten: der skurrile Einzelhandelsmarkt Galleria (5247 N. Clark Street), das Gartencenter, Gewächshaus und Geschenkladen Gethsemane (5739 N. Clark Street) und die Rahmengalerie Four Sided (5061 N. Clark Street). Vor kurzem kaufte ich bei Gethsemane entzückende weiß-blaue Kräutertöpfe für mein Küchenfenster und ein einmaliges Top bei Galleria. 

 

Wohin gehst Du mit Freunden am liebsten zum Essen oder auf einen Kaffee?

Ich bin eine Naschkatze, daher sind zwei meiner Favoriten in der Nachbarschaft George’s Ice Cream and Sweets (5306 N. Clark Street) und das First Slice Pie Café. An einem heißen Sommertag gibt es nichts besseres, als ein Eis vom George’s. Aber auch wenn es kalt ist, gehe ich gerne dorthin oder wenn ich ein bisschen Trost brauche, denn ihre heiße Schokolade ist exzellent. 

Ich liebe auch das First Slice Pie Café (5357 N. Ashland Avenue), nicht nur, weil sie wunderbaren Kaffee haben, eine ständig wechselnde Auswahl an hausgemachten Kuchen und – für die Asketen – Salate, sondern auch, weil das Café eine eigenfinanzierte Wohltätigkeits-Organisation ist, die Bedürftige und Obdachlose ernährt. Um sie zu unterstützen, kann man dort sogar Abonnent werden, nur dass man statt Gemüse eben Kuchen und Salate bekommt. Dann gibt es auch noch Candyality (5225 N. Clark Street), gleich gegenüber von uns! Ein lokales Geschäft im Besitz einer Frau, die dabei hilft, Deine „süße“ Persönlichkeit zu entdecken. (Ich bin definitiv Schokolade). 

 

Wo ist Dein Lieblingsplatz für ein romantisches Dinner für Zwei?

Nichts ist besser, als im Vincent (1475 W. Balmoral Avenue) gemeinsam Muscheln zu schlürfen. Aber das Hinterzimmer im Lady Gregory’s (5260 N. Clark Street) mit seiner Bibliothek und dem offenen Kamin ist auch großartig. 

 

Die beste Bar für einen Cocktail nach einem harten Arbeitstag?

Mir persönlich ist ein Glas Sancerre allemal lieber als ein Cocktail, deshalb ist die Bar im Appellation (5212 N. Clark Street) meine erste Wahl. Das Appellation ist ein intimes Bistro mit einer ausgezeichneten Auswahl an offenen Weinen. Es ist mit dem Käseladen „Pastoral“ verbunden, zusammen ergeben Pastoral und Appellation ein herrliches „Käseladen-Restaurant“. Weil sie nur wenige Schritte von unserem Buchladen entfernt liegen, hole ich mir dort oft einen Salat oder ein Sandwich als Lunch. 

 

Mehr darüber, was alles bei „Women and Children First“ passiert unter womenandchildrenfirst.com.

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